Proteste im Iran

Seit inzwischen zehn Tagen wird der Iran von landesweiten Protesten erschüttert. Sicherheitskräfte reagieren von Beginn an mit harter Repression. Menschenrechtsorganisationen zufolge wurden bereits mehr als 20 Demonstrierende getötet. Die Lage spitzt sich weiter zu, nachdem US-Präsident Donald Trump den iranischen Machthabern mit einem Eingreifen gedroht hat, sollten die Gewaltmaßnahmen gegen die Bevölkerung anhalten.

Die Proteste begannen am 28. Dezember zunächst als wirtschaftlich motivierte Demonstrationen. Auslöser waren drastische Preissteigerungen und der massive Verfall der Landeswährung. Innerhalb eines Jahres verlor der iranische Rial rund 80 Prozent seines Wertes gegenüber dem US-Dollar. Die wirtschaftliche Situation gilt als dramatisch: Die offizielle Inflationsrate liegt bei etwa 42 Prozent, Lebensmittel verteuerten sich um mehr als 70 Prozent, einzelne Grundnahrungsmittel sogar um über 110 Prozent.

Wirtschaftlicher Protest wird politisch

Zu den ersten offen protestierenden Gruppen gehörten Händler des Großen Basars in Teheran. Aus Protest gegen die täglichen Kursschwankungen schlossen sie ihre Geschäfte und forderten staatliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Märkte. Innerhalb weniger Tage griffen die Proteste auf weitere Bevölkerungsschichten über.

Studierende, Kleinunternehmer und Angehörige der urbanen Mittelschicht schlossen sich den Demonstrationen an. Wirtschaftliche Forderungen wandelten sich rasch in politische Parolen. In zahlreichen Städten wurden erstmals seit Langem wieder Slogans gegen den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei laut. In Teilen der Protestbewegung wird inzwischen offen die Abschaffung der Islamischen Republik gefordert.

Geschwächte internationale Position Teherans

Die innenpolitische Krise trifft Iran zu einem Zeitpunkt erheblicher außenpolitischer Schwäche. Der zwölftägige Krieg mit Israel im Sommer 2025 fügte der iranischen Nuklear- und Rüstungsinfrastruktur schweren Schaden zu und reduzierte die militärischen Fähigkeiten Teherans spürbar.

Auch regional hat Iran an Einfluss verloren. Der Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad entzog Teheran einen zentralen Verbündeten. Die libanesische Hisbollah erlitt durch israelische Angriffe erhebliche Verluste in ihrer Führungsebene.

Zusätzlich verschärft die jüngste Eskalation zwischen den Vereinigte Staaten und Venezuela den Druck auf Teheran. Die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, eines engen Partners der iranischen Führung, hat den geopolitischen Handlungsspielraum Irans weiter eingeschränkt.

Ausblick

Beobachter sprechen von der schwersten Bewährungsprobe für das islamistische Machtgefüge seit Jahren. Ob das Regime die Proteste mit Repression kontrollieren kann oder ob sich die Bewegung zu einer existenziellen Bedrohung für die Führung entwickelt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Wirtschaftlicher Kollaps, internationale Isolation und wachsender innerer Widerstand bringen die Islamische Republik an die Grenzen ihrer Stabilität.

Von admin

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