Das Vereinigtes Königreich erwägt die Entwicklung neuer ballistischer Raketen für die Ukraine, um deren Fähigkeiten zu Schlägen tief im gegnerischen Hinterland zu stärken. Wie die britische Zeitung The Sun berichtet, geht es um ein Raketensystem mit dem Namen Nightfall, das Gefechtsköpfe von bis zu 200 Kilogramm tragen und eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern erreichen soll.
Nach Angaben des Berichts hat die britische Regierung bereits mit der Suche nach Industriepartnern begonnen, die Entwurf, Entwicklung und Lieferung der ersten drei Testexemplare übernehmen könnten. Das vorgesehene Budget für diese Phase belaufe sich auf rund neun Millionen Pfund Sterling.
Der britische Verteidigungsminister John Healey bestätigte die grundsätzlichen Pläne während eines Besuchs in Kyjiw. Er verwies dabei auf eine russische Raketen- und Drohnenattacke, die er während seines Aufenthalts in der Ukraine selbst miterlebt habe. Großbritannien sei bereit, Kiew mit modernen Waffensystemen auszustatten, um der russischen Aggression wirksam zu begegnen.
Bereits im September 2025 hatte Healey signalisiert, dass London die Ukraine nach Abschluss der Entwicklung mit Nightfall-Raketen unterstützen könnte. Fachleute gehen davon aus, dass das System eine quasiballistische Flugbahn mit Manövern in der Endphase nutzen soll, um die Abfangwahrscheinlichkeit zu reduzieren. Die angestrebte Zielgenauigkeit liege demnach bei einer Abweichung von weniger als fünf Metern.
Darüber hinaus sollen die Startsysteme zwei Raketen in kurzer Folge abfeuern können und auch unter schwierigen Gefechtsbedingungen einsatzfähig bleiben. Der gesamte Munitionssatz könne innerhalb von etwa 15 Minuten nach dem Beziehen einer Stellung eingesetzt werden.
Die Kosten pro Rakete werden laut Bericht auf bis zu 675.000 US-Dollar geschätzt, wobei Ausgaben für Gefechtsköpfe, Startfahrzeuge und Entwicklungsarbeiten nicht enthalten sind. Offizielle Bestätigungen zu technischen Details oder einem konkreten Zeitplan liegen bislang nicht vor.