Radikale Predigten und Drohungen stehen im Kontrast zu vorsichtigeren Tönen aus Washington
Nach einer Welle von Massenprotesten und blutigen Repressionen herrscht im Iran derzeit eine trügerische Ruhe. Doch führende Vertreter des schiitischen Klerus verschärfen bereits wieder den Ton. Wie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) am Freitag berichtete, rief ein hochrangiger, namentlich nicht genannter Geistlicher während des Freitagsgebets offen zur Hinrichtung festgenommener Demonstranten auf.
Der Geistliche drohte zudem dem US-Präsidenten Donald Trump, was den tiefen Zorn widerspiegelt, der Teile der politischen und religiösen Führung der Islamischen Republik erfasst hat. Beobachter werten diese Rhetorik als Signal, dass Hardliner im Machtapparat eine weitere Eskalation nicht ausschließen.
Gleichzeitig zeigte sich Trump überraschend zurückhaltend. Er dankte der iranischen Führung öffentlich dafür, bislang von der Vollstreckung von Todesurteilen gegen Hunderte inhaftierte Aktivisten abgesehen zu haben. Dieser ungewöhnlich milde Ton aus den USA steht im deutlichen Gegensatz zu den aggressiven Aussagen aus Teheran.
Analysten sehen darin ein mögliches Anzeichen dafür, dass Washington derzeit von der Option eines militärischen Angriffs abrücken könnte. Als zentrale „rote Linien“ gelten für das Weiße Haus weiterhin Massenhinrichtungen von Zivilisten sowie die offizielle Umsetzung von Todesurteilen gegen Teilnehmer der Proteste.
Nach Angaben von AP sind in Teheran seit mehreren Tagen keine sichtbaren Proteste mehr zu beobachten. Zwar war der Internetzugang zeitweise für fast eine Woche eingeschränkt, doch Handel und öffentliches Leben sind nach außen hin weitgehend zur Normalität zurückgekehrt. Menschenrechtsorganisationen warnen jedoch, dass die aktuelle Stille keineswegs eine Entspannung der Lage bedeutet, sondern vielmehr auf eine Phase verschärfter Repression hindeuten könnte.