3.000 Jahre alte Felsritzungen in Norwegen entdeckt

Einzigartige Schiffs- und Handmotive nahe Bærum geben neue Einblicke in nordische Kulturen

In Norwegen sind spektakuläre Felsritzungen aus der Bronzezeit entdeckt worden. Die mehr als 3.000 Jahre alten Gravuren wurden im Osten des Landes nahe der Stadt Bærum gefunden. Wie Arkeonews berichtet, machte der erfahrene Forscher für prähistorische Kunst Tormod Fjeld die Entdeckung während einer Erkundung am Hügel Kolsåstoppen.

Bei den gut erhaltenen Ritzungen handelt es sich um eine zusammenhängende Gruppe von Motiven, die der nordischen Bronzezeit zugeordnet werden. Besonders auffällig sind großformatige Darstellungen von Schiffen, einem zentralen Symbol der skandinavischen Felskunst. Einige Schiffe sind aufrecht, andere kopfüber dargestellt. Archäologen interpretieren diese Motive als Hinweise auf Seefahrt, Handel, rituelle Übergänge oder kosmologische Vorstellungen, etwa den Sonnenkult und den Glauben an eine jenseitige Welt. Vergleichbare Darstellungen sind aus Tanum in Schweden sowie aus Alta bekannt, was auf gemeinsame kulturelle Traditionen im nordeuropäischen Raum hinweist.

Neben den Schiffen entdeckte Fjeld auch Darstellungen eines menschlichen Fußes sowie einer Hand mit fünf deutlich ausgeprägten Fingern. Solche Motive sind deutlich seltener als Tier- oder Schiffsdarstellungen und gelten daher als besonders bedeutend. Forscher vermuten, dass Hand- und Fußabdrücke ritueller Präsenz, territorialen Ansprüchen oder der Teilnahme an kultischen Handlungen dienten.

Nach Einschätzung des Entdeckers sind solche Funde kein Zufall. Entscheidend sei das Verständnis der prähistorischen Landschaft, darunter frühere Küstenlinien, die Ausrichtung der Felsen zur Sonne und die Nähe zu alten Wasserwegen. Während der Bronzezeit lag der Meeresspiegel deutlich höher, sodass heute im Landesinneren gelegene Orte damals direkt an der Küste lagen.

Eine Besonderheit der neuen Entdeckung ist zudem das Material: Die Ritzungen wurden nicht in Granit, sondern in Sandstein gearbeitet – eine Seltenheit in Ostnorwegen. Das weichere Gestein bewahrte sogar die Spuren einzelner Werkzeugschläge, was Archäologen wertvolle Einblicke in die Techniken der bronzezeitlichen Künstler ermöglicht.

Von admin

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