Tausende Klagen gegen Deutschlands größten Wettanbieter – Vorwürfe schwerer Rechtsverstöße
Tausende Kunden haben Klagen gegen den größten deutschen Sportwettenanbieter Tipico eingereicht und fordern die Rückzahlung verlorener Einsätze. Insgesamt geht es um bis zu 150 Millionen Euro, die Spieler nach eigenen Angaben bei dem Anbieter verloren haben. Auslöser ist eine umfassende Recherche des ARD-Politmagazins Monitor.
Dem Bericht zufolge sollen zahlreiche Spieler trotz bestehender Gerichtsurteile zu ihren Gunsten kein Geld zurückerhalten haben. Stattdessen steht der Verdacht im Raum, dass Tipico Vermögenswerte frühzeitig beiseitegeschafft oder umstrukturiert haben könnte, um Rückzahlungen zu erschweren oder zu verhindern. Die Vorwürfe wiegen schwer, da mehrere deutsche Gerichte zuvor festgestellt hatten, dass bestimmte Wetten und Vertragsklauseln rechtswidrig gewesen seien.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall auch wegen der Werbekampagnen mit prominenten Gesichtern. Viele Kläger geben an, sich durch Werbung mit dem ehemaligen Fußball-Nationaltorwart Oliver Kahn zum Spielen verleiten gelassen zu haben. Laut Monitor habe diese Werbung maßgeblich zum Vertrauen in die Seriosität des Anbieters beigetragen.
Juristen sehen in dem Vorgehen des Unternehmens ein mögliches systematisches Problem. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte dies nicht nur zivilrechtliche, sondern auch aufsichts- und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Debatte um Spielerschutz, irreführende Werbung und die Verantwortung großer Wettanbieter in Deutschland erhält damit neue Brisanz.