Ein spezielles Glasfaser-Material für Halbleiter wird zum Flaschenhals der KI-Industrie – weltweit liefert es nahezu nur ein japanischer Hersteller.
Der rasante Aufschwung des Marktes für Künstliche Intelligenz bringt zunehmend unerwartete Engpässe in globalen Lieferketten ans Licht. Einer dieser kritischen Flaschenhälse betrifft ein hochspezialisiertes Glasfaser-Material für die Halbleiterfertigung, das für die Massenproduktion moderner KI-Chips unverzichtbar ist. Wie eine Recherche des The Wall Street Journal zeigt, stammt Glas dieser Qualitätsstufe faktisch von nur einem Anbieter weltweit – dem japanischen Unternehmen Nittobo.
Ursprünglich war Nittobo auf Web- und Fasertechnologien spezialisiert. Genau diese langjährige Erfahrung ermöglichte es dem Konzern jedoch, frühzeitig in den Markt für technisches Glasfasergewebe einzusteigen. Über Jahre hinweg baute das Unternehmen umfangreiches Know-how auf und sicherte sich eine dominante Stellung im Segment des sogenannten T-Glass – einer speziellen Glasfaser, die in der Halbleiterindustrie und bei Leiterplatten eine zentrale Rolle spielt.
T-Glass wird in Chip-Substraten als verstärkendes Element eingesetzt. Es sorgt für die notwendige strukturelle Stabilität von Mikrochips bei hohen Betriebstemperaturen. Gerade bei leistungsstarken KI-Beschleunigern und Prozessoren ist diese Eigenschaft entscheidend, da die Bauteile unter extremer thermischer Belastung arbeiten.
Der explosionsartige Nachfrageanstieg nach KI-Hardware zwingt Nittobo inzwischen zu Anpassungen seiner Preispolitik. Branchenkreisen zufolge sollen die Preise für das Spezialglas noch in diesem Jahr um mindestens 25 Prozent steigen. Damit verteuert sich ein ohnehin knappes Schlüsselmaterial weiter – mit möglichen Folgen für die gesamte Halbleiterbranche.
Nittobo ist dabei nicht der einzige Anbieter aus Japan, der auf steigende Kosten reagiert. Auch der Chemie- und Materialkonzern Resonac plant Preiserhöhungen von mehr als 30 Prozent für Teile seines Chipmaterial-Portfolios.
Experten warnen, dass solche Engpässe die Produktionspläne großer Chiphersteller verzögern und die Kosten für KI-Hardware weiter in die Höhe treiben könnten. Das Beispiel T-Glass zeigt, wie stark der globale KI-Boom von einzelnen, hochspezialisierten Zulieferern abhängig ist.