Neue Analysen aus dem Jezero-Krater deuten auf ein feuchtes Klima vor vier Milliarden Jahren hin.
Neue Daten vom Mars stellen die lange dominierende Hypothese eines überwiegend kalten und vereisten frühen Planeten infrage. Wie das Fachportal Ars Technica berichtet, legen Untersuchungen von Proben aus dem Jezero-Krater nahe, dass der Mars vor rund vier Milliarden Jahren ein deutlich wärmeres und feuchteres Klima besessen haben könnte.
Die Gesteinsproben wurden vom NASA-Rover Perseverance gesammelt. Im Zentrum der Studie steht Kaolinit – ein aluminiumreiches Tonmineral. Dessen chemische Zusammensetzung weist auf intensive Verwitterung unter Einwirkung großer Wassermengen hin. Die Proben zeigen eine Abreicherung von Eisen und Magnesium sowie eine Anreicherung von Aluminium und Titan – eine typische Signatur langfristiger Niederschläge bei moderaten Temperaturen.
Die untersuchten Sedimente stammen aus der Noachischen Periode (vor etwa 4,1 bis 3,7 Milliarden Jahren), einer Zeit intensiven Meteoriteneinschlags. Trotz dieser extremen Bedingungen gilt diese Epoche als potenziell lebensfreundlichste Phase in der Marsgeschichte.
Die Ergebnisse sprechen eher für ein stabiles, warmes Klima mit anhaltenden Regenfällen und dauerhaften Gewässern – vergleichbar mit frühen Treibhausphasen auf der Erde. Damit widersprechen sie der Theorie eines überwiegend gefrorenen Mars mit nur kurzfristigen Schmelzphasen infolge vulkanischer Aktivität oder Asteroideneinschläge.
Ein zentrales Problem bleibt jedoch die geringere Strahlkraft der jungen Sonne: Vor vier Milliarden Jahren war sie rund 30 Prozent schwächer als heute. Für dauerhaft milde Temperaturen hätte der Mars daher eine deutlich dichtere, CO₂-reiche Atmosphäre benötigt.
Bereits zuvor hatte die NASA über mögliche Biosignaturen in Proben aus dem Jezero-Krater berichtet. Die Gesteinsproben sind für eine geplante Rückführungsmission zur Erde vorbereitet worden. Allerdings wurde das Programm Mars Sample Return jüngst gestoppt, sodass detaillierte Laboranalysen möglicherweise um Jahre verschoben werden.
Ein entscheidender Maßstab für die Bewertung möglicher Lebensspuren bleibt das sogenannte Knoll-Kriterium, benannt nach dem Astrobiologen Andrew Knoll. Demnach muss eine Struktur nicht nur biologisch erklärbar, sondern ohne biologische Prozesse unmöglich entstanden sein.
Sollte sich die Warm- und Feuchthypothese bestätigen, würde das bedeuten, dass im heute lebensfeindlichen Jezero-Krater einst Bedingungen herrschten, die tropischen Regionen der frühen Erde ähnelten – mit möglicherweise günstigen Voraussetzungen für die Entstehung primitiven Lebens.