Militärisches Planspiel geht von schneller Besetzung und asymmetrischer Verteidigung aus
Die kanadischen Streitkräfte haben erstmals seit rund hundert Jahren ein Szenario modelliert, das ein hypothetisches militärisches Eindringen der Vereinigte Staaten auf kanadisches Territorium vorsieht. Das berichtet die Zeitung The Globe and Mail unter Berufung auf hochrangige Regierungsvertreter, die anonym bleiben wollten.
Bei dem Vorhaben handelt es sich ausdrücklich um ein theoretisches Planspiel und nicht um einen konkreten operativen Einsatzplan. Ziel der Simulation war es, die strategische Verwundbarkeit Kanadas unter extremen Annahmen zu analysieren und mögliche Reaktionsmuster zu bewerten.
Den Planern zufolge ging das Modell davon aus, dass US-Truppen in der Lage wären, zentrale strategische Positionen Kanadas an Land und zur See innerhalb einer Woche zu kontrollieren – möglicherweise sogar innerhalb von nur zwei Tagen. Nach Einschätzung der beteiligten Beamten verfügt Kanada derzeit nicht über ausreichende reguläre Streitkräfte und moderne Waffensysteme, um einer umfassenden militärischen Offensive der USA konventionell standzuhalten.
Vor diesem Hintergrund sieht das theoretische Szenario einen Übergang zu Formen der asymmetrischen Kriegsführung vor. Dazu zählen der Einsatz kleiner, unregelmäßiger Einheiten oder bewaffneter Zivilisten, die mit Hinterhalten, Sabotageakten, überraschenden Angriffen und dem Einsatz von Drohnen operieren würden. Ziel wäre es, die Bewegungsfreiheit einer potenziellen Besatzungsmacht einzuschränken und deren Verluste zu maximieren.
Ein mit der Modellierung vertrauter Informant erklärte, die zugrunde gelegte Taktik orientiere sich an historischen Beispielen. Verglichen werde sie mit den Methoden der afghanischen Mudschaheddin gegen sowjetische Truppen in den 1980er-Jahren sowie später mit dem Vorgehen der Taliban gegen internationale Streitkräfte, darunter auch kanadische Einheiten, in Afghanistan.
Gleichzeitig betonen Regierungsvertreter, dass es keinerlei Anzeichen für ein reales militärisches Vorgehen aus Washington gebe. Die Beziehungen zwischen den Streitkräften beider Länder gelten weiterhin als stabil und kooperativ. Auch die Administration von Donald Trump werde nach Einschätzung der Quellen kaum einen Befehl zu einer tatsächlichen Invasion erteilen. Das Planspiel diene daher ausschließlich der strategischen Vorsorge und Risikobewertung.