Japan nimmt Atomkraftwerk wieder in Betrieb

Erster Reaktorstart in Kashiwazaki-Kariwa seit der Fukushima-Katastrophe von 2011

Japan hat die weltweit größte Atomanlage Kashiwazaki-Kariwa wieder in Betrieb genommen und damit einen wichtigen Schritt in der Neuausrichtung seiner Energiepolitik vollzogen. Es handelt sich um den ersten Reaktorstart dieser Größenordnung seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011, nach der alle Kernkraftwerke des Landes vorübergehend abgeschaltet worden waren.

Wie die BBC berichtet, wurde der sechste Reaktor der Anlage nach einer eintägigen Verzögerung aufgrund eines Alarmsystems hochgefahren. Der kommerzielle Betrieb soll im kommenden Monat beginnen. Die Anlage liegt in der Präfektur Niigata, rund 300 Kilometer nordwestlich von Tokio.

Der siebte Reaktor des Kraftwerks soll nach aktuellen Planungen im Jahr 2030 wieder ans Netz gehen, während die übrigen fünf Reaktoren dauerhaft stillgelegt werden könnten. Betreiber der Anlage ist der Energiekonzern TEPCO, der auch für das havarierte Kernkraftwerk Fukushima verantwortlich war.

Vor der Nuklearkatastrophe von 2011 deckte die Kernenergie fast 30 Prozent des japanischen Strombedarfs. Damals hatte die Regierung vorgesehen, diesen Anteil bis 2030 auf rund 50 Prozent zu erhöhen. Nach dem Unglück wurden jedoch alle 54 Reaktoren des Landes aus Sicherheitsgründen abgeschaltet. Seit 2015 sind im Zuge verschärfter Sicherheitsauflagen lediglich 15 von 33 technisch geeigneten Reaktoren wieder ans Netz gegangen.

Die Wiederinbetriebnahme von Kashiwazaki-Kariwa ist Teil eines neuen energiepolitischen Kurses. Laut dem aktuellen Energieplan Japans soll die Kernkraft bis 2040 etwa 20 Prozent des nationalen Strombedarfs decken und damit zur Stabilisierung der Energieversorgung und zur Reduzierung von CO₂-Emissionen beitragen.

Trotz deutlich verschärfter Sicherheitsstandards bleibt der Widerstand in der Bevölkerung groß. Im Dezember 2025 versammelten sich mehrere hundert Demonstranten vor dem Verwaltungsgebäude der Präfektur Niigata, um ihre anhaltenden Sorgen über mögliche Sicherheitsrisiken der Anlage zum Ausdruck zu bringen.

Von admin

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