Brüssel will Energieabhängigkeit diversifizieren und neue Partner gewinnen
Die Europäische Union prüft eine Neuausrichtung ihrer LNG-Strategie, um ihre starke Abhängigkeit von den Vereinigte Staaten zu verringern. Auslöser sind politische Spannungen mit US-Präsident Donald Trump, der Europa mit Zöllen gedroht und in Zusammenhang mit Grönland aggressive Aussagen gemacht hatte. Das erklärte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen im Gespräch mit Politico.
US-amerikanisches Flüssigerdgas spielte eine zentrale Rolle dabei, russische Lieferungen von Gazprom zu ersetzen. Doch nun wächst in Brüssel die Sorge, eine strategische Abhängigkeit lediglich gegen eine andere auszutauschen. „Wir wollen keine Handelskonfrontation mit Washington, aber wir müssen unsere Risiken streuen“, so Jørgensen.
Die Europäische Kommission arbeitet deshalb an einer Diversifizierung der LNG-Importe. In den kommenden Monaten sollen Gespräche über vertiefte Energiepartnerschaften mit Kanada, Katar und Algerien geführt werden. Parallel dazu treibt Brüssel den Aufbau alternativer Lieferketten für Nuklearbrennstoffe voran, um auch hier russische Abhängigkeiten zu beenden.
Die Zahlen verdeutlichen den Handlungsdruck: Die US-LNG-Importe der EU stiegen von 18 Millionen Tonnen im Jahr 2021 auf 65 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Damit entfielen 57 Prozent des gesamten LNG-Imports der EU und des Vereinigten Königreichs im vergangenen Jahr auf die USA. Insgesamt stammt inzwischen fast ein Viertel des in der EU verbrauchten Gases aus amerikanischem LNG.
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch ein noch nicht ratifiziertes Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. Darin hatte sich Brüssel verpflichtet, zwischen 2026 und 2028 amerikanische Energieträger im Wert von 250 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Im Jahr 2025 lag das Importvolumen bereits bei 75 Milliarden US-Dollar. Die politischen Spannungen rund um Grönland verzögern jedoch die Ratifizierung.
Beobachter sehen in den aktuellen Schritten ein klares Signal: Die EU will ihre Energieversorgung geopolitisch robuster aufstellen, ohne sich in neue strategische Abhängigkeiten zu begeben.