Le Monde berichtet über massive Verteidigungsbauten und Zweifel an Trumps Verhandlungen
Die Ukraine rechnet nicht damit, dass aktuelle Gesprächsformate mit Russland oder Friedensinitiativen der USA kurzfristig zu einem Kriegsende führen. Stattdessen bereitet sich das Land auf jahrelange Kämpfe vor und errichtet mehrschichtige Verteidigungslinien. Das berichtet die französische Tageszeitung Le Monde in einer umfangreichen Reportage aus dem Osten der Ukraine.
Demnach bauen ukrainische Pioniereinheiten in der Dnipropetrowsk eine Hunderte Kilometer lange Linie aus Befestigungen und Hindernissen, die rund 35 Kilometer hinter den vordersten russischen Stellungen verläuft. Der enorme Umfang des Projekts spiegele die Einschätzung des ukrainischen Generalstabs wider, dass Russland seine Aggression auf absehbare Zeit nicht einstellen werde.
Zwar verlaufe der russische Vormarsch laut Le Monde so langsam wie selten zuvor und gehe mit hohen Verlusten einher, dennoch gelinge es den ukrainischen Verteidigungskräften bislang nicht, ihn vollständig zu stoppen. Hinzu kommen strukturelle Engpässe: Es fehle an Infanterie, um Lücken an der Front zu schließen, sowie an weitreichender Luftverteidigung, um russische Kampfflugzeuge auf Distanz zu halten. Diese setzen zunehmend Lenk- und Gleitbomben ein, um befestigte Stellungen zu zerstören.
Hinter der äußeren Hinderniszone folgt eine zweite Verteidigungsebene aus getarnten und verstärkten Infanteriestellungen. Eine zentrale Neuerung gegenüber der Anfangsphase des Krieges: Alle Schützengräben werden heute mit dicken Erdschichten überdeckt, um Schutz vor Drohnen und Bomben zu bieten. Die Gräben sind mit unterirdischen Unterkünften verbunden, die durch Stahlbetonwände verstärkt sind. Diese Anpassungen zeigen, dass die Ukraine ihre Verteidigungsdoktrin auf einen langen Abnutzungskrieg ausrichtet.