Handelsschiffe auf See – Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stark zurückgegangen

Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist erneut drastisch zurückgegangen. Am Montag passierten nach vorläufigen Daten des Analyseunternehmens Kpler lediglich fünf Schiffe die strategisch wichtige Meerenge – vier in Richtung Persischer Golf und nur eines in Richtung offenes Meer. Der Durchschnitt der vorangegangenen zehn Tage lag bei rund 14 Durchfahrten. Damit sank der registrierte Verkehr binnen kurzer Zeit auf ungefähr ein Drittel dieses ohnehin schon niedrigen Niveaus.

Besonders auffällig: Unter den fünf erfassten Schiffen befand sich laut den von Reuters zitierten Tracking-Daten kein beladener Öl-, Produkt- oder LNG-Tanker. Die Zahlen zeigen, wie stark die erneute militärische Eskalation das Vertrauen der Reedereien erschüttert hat.

Wichtige Einordnung: Die Formulierung „auf ein Drittel eingebrochen“ bezieht sich auf den Vergleich von fünf Schiffspassagen mit dem Zehn-Tage-Durchschnitt von etwa 14. Verglichen mit den rund 130 bis 140 täglichen Durchfahrten vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar 2026 ist der Rückgang wesentlich größer.

Nur fünf registrierte Schiffe an einem Tag

Die vorläufige Kpler-Auswertung erfasste am Montag drei beladene Massengutfrachter und einen leeren kleineren Gastanker, die in den Persischen Golf einfuhren. Nur ein Schiff verließ die Region. Flüssigguttanker, die Rohöl, Ölprodukte oder Flüssigerdgas transportieren, wurden unter den regulär registrierten Durchfahrten nicht gezählt.

Zum Vergleich: Noch in den zehn Tagen zuvor waren durchschnittlich etwa 14 Schiffe pro Tag durch die Meerenge gefahren. Bereits dieser Wert lag weit unter dem normalen Verkehrsaufkommen. Vor dem Krieg hatten täglich ungefähr 130 bis 140 Schiffe die Straße von Hormus passiert.

Angriffe auf zwei mit saudischem Öl beladene Tanker

Die jüngste Abnahme fällt mit einer neuen Eskalation der Sicherheitslage zusammen. Nach Angaben von Reuters wurden in der Nacht zum Dienstag zwei Supertanker beim Verlassen der Straße von Hormus von bislang nicht eindeutig zugeordneten Projektilen getroffen.

Bei den Schiffen handelte es sich um die unter saudischer Flagge fahrende Sidr und die liberianisch beflaggte Senegal Prosperity. Beide Tanker hatten zuvor am saudischen Terminal Juaymah jeweils rund zwei Millionen Barrel Rohöl geladen. Die Angriffe ereigneten sich innerhalb weniger Minuten in den Gewässern östlich beziehungsweise nordöstlich von Khasab im Oman.

Nach den zunächst verfügbaren Informationen blieben die Besatzungen unverletzt. Über das genaue Ausmaß der Schäden und die Urheber der Angriffe lagen zunächst keine unabhängig bestätigten Angaben vor. Die Vorfälle erhöhen jedoch das Risiko für Reedereien, Versicherer und Besatzungen deutlich.

Warum die Straße von Hormus so wichtig ist

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. An ihrer engsten Stelle ist sie nur wenige Dutzend Kilometer breit. Für mehrere große Energieexporteure – darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Irak, Katar und Iran – ist sie der wichtigste maritime Zugang zu den Weltmärkten.

Vor der aktuellen Krise wurde ungefähr ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls durch die Meerenge transportiert. Hinzu kamen große Mengen Flüssigerdgas, insbesondere aus Katar. Deshalb können bereits Drohungen, Angriffe oder Verzögerungen in der Region die Energiepreise, Frachtraten und Versicherungsprämien weltweit bewegen.

Warum Reedereien die Passage meiden

Für kommerzielle Schifffahrtsunternehmen geht es nicht nur um die unmittelbare Gefahr eines Treffers. Mehrere Faktoren machen die Durchfahrt wirtschaftlich schwer kalkulierbar:

  • Gefahr für Besatzung und Schiff: Raketen, Drohnen, Minen oder Beschuss können Menschenleben und Fracht gefährden.
  • Steigende Versicherungsprämien: Kriegsrisikoversicherungen können kurzfristig stark teurer werden oder nur eingeschränkt verfügbar sein.
  • Unklare Wartezeiten: Schiffe können vor der Passage festliegen, umkehren oder ihre Ladung verspätet ausliefern.
  • Höhere Charterkosten: Tanker werden länger gebunden, während gleichzeitig weniger Schiffe für andere Transporte zur Verfügung stehen.
  • Politische Risiken: Blockaden, Kontrollen und wechselnde Sicherheitsanweisungen erschweren die Routenplanung.

Anders als beim Suezkanal gibt es für die Golfstaaten keine einfache maritime Umfahrung. Ein Teil des Öls kann über Pipelines zu Häfen am Roten Meer oder am Golf von Oman transportiert werden. Diese Leitungen verfügen jedoch nicht über genügend Kapazität, um sämtliche normalerweise durch Hormus verschifften Mengen zu ersetzen.

Ölpreis steigt wieder über 90 Dollar

Die erneute Konfrontation ließ die Ölpreise deutlich steigen. Der Preis für Brent-Rohöl bewegte sich nach den jüngsten Angriffen wieder über der Marke von 90 US-Dollar je Barrel. Der Markt reagiert dabei nicht nur auf tatsächlich ausgefallene Lieferungen, sondern auch auf das Risiko einer noch stärkeren Unterbrechung.

Die Wirkung auf Verbraucher tritt gewöhnlich zeitversetzt ein. Wenn hohe Rohölpreise und Transportkosten länger anhalten, können Benzin, Diesel, Heizöl, Flugreisen und energieintensive Produkte teurer werden. Kurzfristige Preissprünge müssen allerdings nicht vollständig und dauerhaft an Tankstellen weitergegeben werden.

Folgen für LNG und die europäische Gasversorgung

Auch der Handel mit Flüssigerdgas ist betroffen. Katar zählt zu den weltweit größten LNG-Exporteuren und verschifft einen erheblichen Teil seiner Produktion durch die Straße von Hormus. Bleiben LNG-Tanker aus Sicherheitsgründen im Hafen oder werden Lieferungen verzögert, konkurrieren europäische und asiatische Käufer stärker um alternative Ladungen.

Deutschland bezieht sein Erdgas nicht ausschließlich aus der Golfregion und verfügt über Pipelineverbindungen sowie LNG-Terminals. Dennoch wirken sich steigende Weltmarktpreise auch auf Deutschland aus. Entscheidend ist, wie lange die Störung anhält, ob katarische Lieferungen ausfallen und in welchem Umfang andere Produzenten kurzfristig zusätzliche Mengen bereitstellen können.

Warum die tatsächliche Zahl höher sein könnte

Schiffsverfolgungsdienste stützen sich überwiegend auf AIS-Signale. Das automatische Identifikationssystem übermittelt unter anderem Position, Kurs und Identität eines Schiffes. In Hochrisikogebieten schalten manche Kapitäne die Transponder zeitweise aus, verändern Angaben oder fahren in Gebieten mit lückenhafter Erfassung.

Solche sogenannten „Dark Transits“ erscheinen nicht zuverlässig in den täglichen Statistiken. Kpler hatte frühere Schätzungen zum transportierten Ölvolumen nachträglich nach oben korrigiert, nachdem zusätzliche verdeckte Fahrten und Umladungen berücksichtigt wurden. Die Zahl von fünf Passagen beschreibt daher den sichtbar erfassten Verkehr und nicht zwingend jede tatsächliche Durchfahrt.

Trotz dieser Einschränkung bleibt die Richtung eindeutig: Der reguläre kommerzielle Schiffsverkehr liegt weit unter dem Vorkrisenniveau, und besonders große Energieexporte sind stark eingeschränkt.

Alternative Routen gewinnen an Bedeutung

Die Störung verändert auch regionale Handelswege. Der jordanische Hafen Aqaba meldete im ersten Halbjahr 2026 einen starken Anstieg des Transitverkehrs. Waren für Irak werden zunehmend per Schiff nach Aqaba und anschließend über rund 760 Kilometer auf dem Landweg transportiert, weil die Route über irakische Golfhäfen als riskanter gilt.

Solche Umleitungen können einzelne Lieferketten entlasten, verursachen aber zusätzliche Fahrzeiten, Kosten und logistischen Aufwand. Für große Mengen Rohöl und LNG sind Landrouten nur begrenzt geeignet.

Was in den kommenden Tagen entscheidend ist

Für die weitere Entwicklung sind vor allem drei Punkte wichtig: ob weitere Handelsschiffe angegriffen werden, ob Katar und Oman bei ihren Vermittlungsbemühungen Fortschritte erzielen und ob Reedereien Sicherheitsgarantien für eine regelmäßige Passage erhalten.

Ein einzelner Tag mit nur fünf registrierten Durchfahrten beweist noch keinen dauerhaften Trend. Sollte das niedrige Niveau jedoch mehrere Tage anhalten und sollten weitere Tanker beschädigt werden, dürften Energiepreise, Transportkosten und der Druck auf alternative Handelsrouten weiter steigen.

Fazit

Der sichtbare Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist von durchschnittlich rund 14 auf nur fünf Passagen pro Tag gefallen und damit auf etwa ein Drittel eingebrochen. Gegenüber dem normalen Vorkriegsniveau ist der Rückgang noch wesentlich drastischer.

Die Angriffe auf zwei mit saudischem Rohöl beladene Supertanker zeigen, dass die Risiken nicht nur theoretisch sind. Für Deutschland bedeutet die Krise vor allem indirekte Belastungen durch höhere Öl-, Gas-, Transport- und Versicherungskosten. Wie stark diese ausfallen, hängt davon ab, ob die Passage bald wieder sicherer wird oder die Eskalation weitere Energieexporte blockiert.

Quellen und weiterführende Informationen

Stand: 1. September 2026. Bild: Seval Torun / Unsplash

Von admin

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