Bei landesweiten Protesten im Iran sind mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen, Dutzende weitere wurden verletzt. Das berichtete Reuters am Donnerstagabend, dem 1. Januar, unter Berufung auf iranische Medien sowie Menschenrechtsgruppen. Gewaltsame Vorfälle wurden aus mehreren Provinzen gemeldet.
Tödliche Zusammenstöße in Lorestan
Nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars kamen in der westiranischen Provinz Lorestan drei Demonstrierende ums Leben, 17 Personen wurden verletzt. Demnach griffen Protestierende am frühen Abend eine Polizeistation an, setzten Fahrzeuge in Brand und lieferten sich Zusammenstöße mit Sicherheitskräften.
Reuters zitierte Fars mit den Worten, die Protestierenden seien gegen 18:00 Uhr Ortszeit in das Polizeihauptquartier eingedrungen, woraufhin es zu Auseinandersetzungen kam.
Auslöser: Inflation und Währungsverfall
Laut Reuters markieren die Zusammenstöße eine deutliche Eskalation der Unruhen, die sich seit Sonntag landesweit ausbreiten. Auslöser waren Proteste von Ladenbesitzern, die gegen den raschen Wertverfall der Landeswährung und den starken Preisanstieg demonstrierten.
Zunächst schlossen Händler im Großen Basar von Teheran ihre Geschäfte. In den folgenden Tagen schlossen sich Hunderte Geschäftsinhaber in der Hauptstadt und anderen Städten an. Die Proteste weiteten sich später auf Universitäten und Straßen aus und nahmen eine systemkritische Dimension an.
Weitere Berichte – keine unabhängige Bestätigung
Auch die Menschenrechtsorganisation Hengaw sowie Erklärungen der Islamische Revolutionsgarde meldeten Tote und Verletzte. Reuters konnte diese Angaben jedoch nicht unabhängig bestätigen.
Parolen und politische Forderungen
Augenzeugen berichten von regimekritischen Parolen, darunter Rufe wie: „Das ist der letzte Kampf – Pahlavi wird zurückkehren“. Beobachter werten dies als Zeichen dafür, dass die Bewegung über wirtschaftliche Forderungen hinausgeht und zunehmend politische Veränderungen einfordert.